1.    Persönliche Voranmerkungen von SoR H. Gnahn zum Namensgeber des SFZ Amberg:

Die Namensgebung der ehemaligen Hilfsschule beruht m.E. auf einem Missverständnis
bzw. auf einer unbedachten Bequemlichkeit des Magistrats der Stadt Amberg:

Im Jahr 1921 erhielten auf Beschluss des Amberger Stadtrats die Mädchenschule in der Ziegelgasse und die Katholische Knabenschule im Behelfsgebäude in der Gasfabrikstraße neue Namen: Pestalozzischule und Willmannschule.

Für die damalige Katholische Knabenschule (später Dreifaltigkeitsschule) war der Name Willmannschule eine durchaus passende und würdige Namensbezeichnung, war doch der Namensgeber, der 1920 in Leitmeritz verstorbene Prof. Dr. Otto Willmann ein hoch angesehener Philosoph, Wissenschaftler und Lehrerbildner im damaligen Preußen und in Österreich, der seine geistigen Wurzeln im Katholizismus nicht leugnete und seine religiöse Überzeugung  auch in seinem Hauptwerk “Didaktik der Bildungslehre“ sowie in seinen pädagogischen Vorlesungen überzeugend und nachhaltig zum Ausdruck brachte.

Von seiner Ausbildung und seinem beruflichen Werdegang her war Otto Willmann allerdings ein Philologe mit einem abgeschlossenen Studium im Höheren Lehramt und als Lehrerbildner ein Fachexperte insbesondere für den Bereich der Höheren Schule.

Eine Beziehung zur Hilfsschulpädagogik, wie sie zur damaligen Zeit von wissenschaftlich tätigen Pädagogen wie Stötzner in Leipzig oder Kielhorn in Braunschweig im deutschsprachigen Raum aufgebaut, ausgebaut und konzeptionell geprägt wurde, ist im Leben und pädagogischen Wirken von Otto Willmann hingegen nicht, auch nicht in Ansätzen, nachzuweisen!

Allein die selbst verfasste Grabinschrift deutet auf eine eher elitär verstandene Geisteshaltung des Philosophen und Universitätsprofessors für wissenschaftliche Pädagogik hin.

Otto Willmann wird in der Literatur heute als Philosoph, wissenschaftlicher Pädagoge und Hochschullehrer des ausgehenden 19. Jahrhunderts anerkannt. Als Namenspatron für eine (damalige) „Schule für Schwachbefähigte“ und eine (heutige) Schule für Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf eignet er sich jedoch m.E.  nicht, auch wenn dies die Amberger Stadtväter im Jahr 1958 nicht erkennen mochten. Vielleicht machte man es sich auch ein wenig einfach mit der Namensgebung: Die Schule in der Gasfabrikstraße trug zur Zeit der Kath. Knabenschule den von der NS-Ideologie völlig unbelasteten Namen des österreichisch-preußischen Professors. Nach der Zeitenwende- Kriegs- und Nachkriegszeit –  wollte man den Schulnamen „Willmannschule“ aus Traditionsgründen wieder in die Schulstadt Amberg „zurückholen“. Da lag es nahe, den Namen des angesehenen katholischen Wissenschaftlers und Pädagogik-Professors jener Schule zu geben, die das Gebäude zuletzt bewohnt hatte, und dies war – ausgerechnet – die damalige Hilfsschule!

Meine Meinung: Der Name „Willmannschule“ würde jeder allgemeinen Schule und v.a. jeder Höheren Schule zur Ehre gereichen, für eine Förderschule ist er indes nicht geeignet.

2.    Biographie

1839 geboren in Lissa, zwischen Breslau und Posen, als Sohn eines Kreisgerichtsdirektors. Er besuchte in Lissa dasselbe Gymnasium in dem 200 Jahre vorher Comenius als Rektor seine „Didactica magna“ verfasst hatte.

Nach dem Schulbesuch Studium der Mathematik, Philologie und Philosophie in Breslau.

1862 Doktorexamen in Berlin und Prüfung für das Lehramt an Höheren Schulen. Otto Willmann plant Hochschullehrer zu werden.

1863 Praktische Tätigkeit in einem akademisch-pädagogischen Seminar mit einer Übungsschule in Leipzig. Zusammenarbeit mit Ziller, dem Begründer dieser Einrichtung.

1868 Beginn der Tätigkeit am neu gegründeten städtischen Pädagogium (Lehrerfortbildungsanstalt) in Wien.

1872 Berufung als Professor der Pädagogik an die Universität Prag. Schwerpunkte seiner Arbeit waren die Weiterführung der pädagogischen Wissenschaft in sozialwissenschaftlicher, historischer, philosophischer und religiöser Beziehung.

1882 Die Frucht dieser Arbeit erscheint im I. Band seines Hauptwerkes „Didaktik als Bildungslehre“.

1889 Der II. Band seines didaktischen Lehrwerkes erscheint verspätet, da ein Nervenleiden Otto Willmanns Arbeitskraft lähmt.

1903 Ende seiner akademischen Lehrtätigkeit und Umzug nach Salzburg. Dort setzt Otto Willmann sein literarisches Schaffen fort.

1907 Tod seiner Ehefrau.

1910 Ortswechsel nach Leitmeritz. Otto Willmann entfaltet eine rege Vortragstätigkeit. Viele Programme bedeutender Veranstaltungen in kirchlich-katholischer Trägerschaft tragen ab diesem Zeitpunkt seinen Namen.

1920 Am 1. Juli stirbt Otto Willmann in Leitmeritz im 82. Lebensjahr.

      Seine Grabinschrift wurde von ihm selbst verfasst:
      HIC IACET OTTO WILLMANN – DOCTOR OLIM PHILOSOPHIAE IDEMQUE
      PROFESSOR; DOCTUS AB ECCLESIAE EAMQUE PROFESSUS